35 Jahre Partnerschaft zwischen Geierswalde und Mühlhausen im Täle – eine deutsch-deutsche Freundschaft, die aus der Wiedervereinigung wuchs und bis heute von den Menschen beider Orte getragen wird.
520 Kilometer trennen sie – 35 Jahre verbinden sie
Was 1991 kurz nach der Wiedervereinigung mit ersten vorsichtigen Begegnungen begann, ist heute eine der lebendigsten Ost-West-Partnerschaften auf Dorfebene. Zwei kleine Orte, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch verbindet sie mehr, als die Landkarte zeigt.
Die Südwest Presse titelte 2021 treffend: „Gegensätze ziehen sich an". Hier das sorbisch geprägte Straßendorf in der flachen Lausitz, umgeben von Tagebauseen – dort das schwäbische Dorf auf der Albhochfläche, umgeben von bewaldeten Hängen. Und doch: Wenn die Geierswalder Volksmusikanten und die Mühlhausener Schalmeienkapelle gemeinsam aufspielen, ist die Entfernung vergessen.
Von ersten Begegnungen zur offiziellen Partnerschaft (1991–2001)
Die Partnerschaft begann kurz nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1991. Was mit vorsichtigen Kontakten zwischen Bürgern beider Orte startete, entwickelte sich über ein Jahrzehnt zu einer lebendigen Verbindung. In dieser Zeit entstanden bereits persönliche Freundschaften und Vereinskontakte – lange bevor die offizielle Beurkundung erfolgte.
Während der 600-Jahrfeier in Geierswalde wurde die Partnerschaft feierlich besiegelt. Eine 65-köpfige Delegation aus Mühlhausen reiste mit zwei Reisebussen in die Lausitz an. Ortsvorsteher Karl-Heinz Radochla und Bürgermeister Manfred Ewald unterzeichneten die Partnerschaftsurkunde.
Bürgermeister Ewald überreichte drei Partnerschaftsschilder für die Ortseingänge von Geierswalde. Ein Mühlhausener Kastanienbaum wurde gemeinsam gepflanzt – als lebendiges Symbol für das Wachstum der jungen Freundschaft. Die Partnerschaftsurkunde von 2001 wird bis heute in Mühlhausen aufbewahrt und von Bürgermeister Schaefer stolz präsentiert.
Die 600-Jahrfeier war ein dreitägiges Fest mit Festumzug, Gottesdienst, Segelregatta auf dem erstmals freigegebenen Geierswalder See, sorbischen Trachten, einem Höhenfeuerwerk und einem Fackel- und Lampionumzug zum Lagerfeuer am See. Die Mühlhausener Gäste waren mittendrin – und viele knüpften an diesem Wochenende Freundschaften, die bis heute halten.
Gegenseitige Besuche, Gastgeschenke und wachsende Verbundenheit
Bei der Amtseinführung von Bürgermeister Tritschler 2002 spielte die Mühlhausener Musikgruppe zum Tanz – unter anderem die Annemarie-Polka. Der Göppinger Landrat ließ es sich nicht nehmen, die Frau des Geierswalder Ortsvorstehers – Annemarie Radochla – zum Tanz zu bitten. Der Landrat hatte sich schon bei der Verabschiedung von Bürgermeister Ewald zuvor „sehr für diesen Tanz interessiert".
Geschichten, die die Partnerschaft lebendig machen
Beim 32. Kuckucksfest in Mühlhausen – dem traditionellen jährlichen Dorffest – trat eine 18-köpfige Delegation des KSV Geierswalde unter Führung von Dr. Frank Petrich an. Der Jugendclub Geierswalde mit Tobias Kempe, Tobias Methan, Andre Scholz und Hannes Smohor stellte sich den heimlich ausgetüftelten Geschicklichkeitsspielen.
Die Geierswalder Jugend gewann zum dritten Mal in Folge – und damit ging der Kuckucks-Wanderpokal endgültig in die Lausitz. Drei aufeinanderfolgende Siege bedeuteten nach den Regeln den endgültigen Besitz. Der Pokal steht seitdem in Geierswalde.
Bemerkenswert: Einer der damaligen Jugendlichen – Hannes Smohor – ist heute (2026) Ortsvorsteher von Geierswalde. Eine Kontinuität, die zeigt, wie tief die Partnerschaft in der Dorfgemeinschaft verwurzelt ist.
In Geierswalde wird der Maibaum jedes Jahr bei einer geselligen Veranstaltung versteigert – bisher blieb er stets im Ort. Mai 2019: Mühlhausener Gäste ersteigern bei den Partnerschaftstagen in Geierswalde erstmals den Maibaum. Aus dem Holz soll eine Sitzbank für Mühlhausen werden – ein sichtbares Symbol der Partnerschaft.
Die „Freunde des Maibaums" aus Geierswalde, allen voran Dieter Woßlick, arbeiteten monatelang an einer zweiteiligen Sitzbank. Am 18. September 2020 wurde sie unter Corona-Auflagen in Mühlhausen übergeben. Dieter Woßlick betonte bei der Übergabe: „Ein weiteres sichtbares Zeichen einer funktionierenden und lebendigen Partnerschaft."
Bürgermeister Bernd Schaefer nahm die Bank dankend entgegen: „Gerne nehmen wir die Sitzbank – im Schwäbischen liebevoll ‚Bänkle' genannt – entgegen." Das Bänkle steht heute am Backhaus nahe der Filspromenade und auf dem Weg zum Kindergarten „Pusteblume" – einem belebten Ort, an dem es täglich an die Freundschaft erinnert. Der Filstalexpress berichtete ausführlich.
Was die Partnerschaft über drei Jahrzehnte am Leben hält
Jährlich wechselnd in Geierswalde und Mühlhausen – mit Festakt, gemeinsamen Ausflügen, Maibaumversteigerung und Bauernolympiade.
Kinder und Jugendliche verbringen Ferien im jeweils anderen Ort. Der Austausch fand zuletzt 2024 wieder statt und ist fester Bestandteil der Partnerschaft.
„Freunde kochen – Lausitz trifft Schwaben" – von Einwohnern beider Orte gemeinsam erstellt. Es vereint lausitzische und schwäbische Rezepte.
Der Geierswalder Maibaum wird jährlich versteigert. Seit 2019 nehmen auch Mühlhausener daran teil – mit dem „Bänkle" als schönstem Ergebnis.
An den Ortseingängen beider Dörfer angebracht – sichtbares Zeichen der Verbundenheit für alle Besucher und Durchreisenden.
Das traditionelle jährliche Dorffest in Mühlhausen mit Schalmeienkapelle und Musik – wiederholt Anlass für Besuche aus Geierswalde.
Die Meilensteine der Partnerschaft im Überblick
Stimmen zur Partnerschaft – damals und heute
„35 Jahre Partnerschaft bedeuten vor allem 35 Jahre Begegnungen zwischen den Menschen. Viele persönliche Freundschaften und enge Kontakte sind in dieser Zeit entstanden. Es ist schön, dass wir diese Verbundenheit nun gemeinsam mit unseren Freunden in Geierswalde feiern dürfen."– Bürgermeister Bernd Schaefer, Mühlhausen im Täle (2026)
„Die Partnerschaft zwischen Geierswalde und Mühlhausen im Täle ist über viele Jahre gewachsen und wird von den Menschen in beiden Orten getragen. Umso schöner ist es, dass wir diese gemeinsamen Tage miteinander verbringen können."– Ortsvorsteher Hannes Smohor, Geierswalde (2026)
„Ein weiteres sichtbares Zeichen einer funktionierenden und lebendigen Partnerschaft."– Dieter Woßlick, „Freunde des Maibaums", bei der Übergabe des Bänkle (2020)
Ohne engagierte Bürger auf beiden Seiten wäre diese Freundschaft nicht, was sie ist
35 Jahre – und kein bisschen leise
Die Partnerschaft wird heute von bürgergetragenen Freundschaften gelebt, nicht mehr nur von offiziellen Delegationen. Der Ferienaustausch für Kinder und Jugendliche, die jährlichen Partnerschaftstage und private Besuche halten die Verbindung lebendig.
Die derzeitigen Akteure – Bürgermeister Bernd Schaefer und Ortsvorsteher Hannes Smohor – wollen die Partnerschaft „weiter in das Blickfeld der Einwohner rücken" und „weitere Menschen für diese besondere Verbindung begeistern".
Dass ausgerechnet Hannes Smohor, der 2007 als Jugendlicher den Kuckuckspokal nach Geierswalde holte, heute als Ortsvorsteher die Partnerschaft von Geierswalder Seite trägt, ist vielleicht das schönste Symbol dafür: Diese Freundschaft wächst über Generationen.
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