Traditionelle Bräuche

Die sorbischen Wurzeln Geierswaldes – Sprache, Tracht und Bräuche, die das Dorf über Jahrhunderte geprägt haben

Sorbische Wurzeln in Geierswalde

Lejno – ein Dorf im sorbischen Siedlungsgebiet

Geierswalde, sorbisch Lejno, liegt im Herzen der Lausitz – dem Siedlungsgebiet der Sorben, des kleinsten slawischen Volkes Europas. Über Jahrhunderte war das Dorf von sorbischer Sprache, Tracht und Brauchtum geprägt. Viele dieser Traditionen gehören heute der Geschichte an – aber sie haben Spuren hinterlassen, die das Dorf bis heute prägen.

Hier sammeln wir die traditionellen Bräuche und sorbischen Kulturzeugnisse, die Geierswalde über Jahrhunderte geformt haben. Die gelebten, aktuellen Bräuche finden Sie auf einer eigenen Seite.

Sorbische Sprache

Wendisch – einst Alltagssprache im Dorf

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Die Sprache der Vorfahren

In Geierswalde wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein Sorbisch – im Dorf meist „Wendisch" genannt – gesprochen. Der sorbische Name des Dorfes lautet Lejno. Noch der Wachtmeister Matthes, die Dorf-Polizisten-Figur vergangener Zeiten, sprach Wendisch im Alltag.

Schriftliche Zeugnisse der sorbischen Sprache in der Region sind bis heute erhalten:

📜 Schriftliche Zeugnisse

1745: Deutsch-wendisches Gesangbuch, herausgegeben von Jan Böhmer
1835: Neues Testament in wendischer Sprache
1849: Bibel in wendischer Sprache (Bautzen)

Heute wird in Geierswalde sorbische Sprache nicht mehr aktiv gesprochen. Viele Flur- und Ortsnamen in der Umgebung deuten jedoch auf sorbische Ahnen hin – und mit ihnen lebt ein Stück Sprache weiter.

Sorbische Trachten

Bunte Kleidung mit jahrhundertelanger Tradition

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Tracht als Alltagskleidung

Bis weit ins 20. Jahrhundert trugen die Geierswalderinnen und Geierswalder sorbische Tracht im Alltag. Die Arbeitstracht war die Kleidung für den Alltag, ergänzt durch Kirchtracht für den Gottesdienst und Hochzeitstracht für festliche Anlässe.

Die letzte Geierswalderin, die täglich in sorbischer Arbeitstracht ging, war Anna Groba (1919–2008). Mit ihr endete eine Epoche.

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Trachtenpflege durch die Tomczyks

Ingeborg Tomczyk (1947–2012) und ihr Mann Heinz Tomczyk (1946–2025) haben Unvorstellbares geleistet: In akribischer Kleinarbeit rekonstruierten sie verschwundene Trachtenelemente. Bis nach Polen und Tschechien fuhren sie, um originalgetreue Bänder und Perlen für die Stickereien zu besorgen.

Die aufwendigen Perlenstickereien für die einzelnen Trachten fertigten beide in mühevoller Handarbeit. So entstand eine Sammlung von der Arbeitstracht bis zur Hochzeitstracht – ein einmaliges Kulturerbe für Geierswalde.

Anfang 2025 wurden die Trachten in die Ortsteilverwaltung Geierswalde umgelagert und dort sachgemäß aufbewahrt.

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Trachtenumzug 2001

600-Jahr-Feier

Anlässlich der 600-jährigen urkundlichen Erwähnung Geierswaldes fand 2001 ein großer Trachtenumzug statt. Hauptsächlich junge Mädchen aus Geierswalde und die Trachtengruppe aus Zeißig gestalteten den Festzug.

Im Festzelt erklärte danach der Volkskünstler und Trachtenkenner Helmut Kurjo (1935–2023) aus Bluno allen Gästen die verschiedenen Trachten und deren Bedeutung.

Für die aufwendige Gestaltung des Trachtenumzuges gebührt Ingeborg Tomczyk und ihrem Mann Heinz außerordentlicher Dank. Durch aufwändige und akribische Kleinarbeit sind nicht mehr vorhandene Trachtenelemente zusammengetragen worden.

Historische Osterbräuche

Bräuche, die über ein Jahrhundert gepflegt wurden

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Das Pestkreuz

Alljährlich am Ostersonnabend wurde der Pestkreuz-Stein von Jungfrauen des Dorfes gescheuert und geputzt. Danach zogen die jungen Frauen mit Gesangbuch in der Hand durch das Dorf und sangen Ostlieder.

Über 100 Jahre wurde diese kosmetische Behandlung des Pestkreuzes zu Ostern gepflegt – ein Brauch, der tief im sorbischen Glauben an Schutz und Segen verwurzelt war.

📍 Standort

Das Pestkreuz erinnert an die Pestepidemien vergangener Jahrhunderte. Der original Pestkreuz-Stein befindet sich heute im Museum Hoyerswerda.

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Ostlieder

Das Singen von Ostliedern war eine rein sorbische Tradition. Jungfrauen zogen am Ostersonnabend durch das Dorf und trugen sorbische Osterlieder vor. Dieser Brauch ist mit dem Verschwinden der sorbischen Sprache aus dem Alltag auch in Geierswalde versiegt.

Wendenzeit & Archäologie

Die ältesten Spuren

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Sage von der Wendenschlacht 923

Eine Sage berichtet von einer großen Schlacht unter Sachsenkaiser Heinrich I. im Jahr 923 in der Nähe von Geierswalde, in der die Wenden besiegt und unterjocht worden sein sollen.

Auf der Kojna – einer Anhöhe bei Geierswalde – wurden große Feldsteine als Spuren einer Mauer vorgefunden. Der Gärtner Krautz grub dort nach Bausteinen und fand in 2–3 Fuß Tiefe und 20 Ruthen Umkreis ca. 20–30 Krüge/Urnen mit Asche, verwesten Knochen und Tonscherben.

Wenig später fand der Erbrichter Muntel einige Ruthen westlich seiner Wohnung auf einer kleinen Anhöhe einen ähnlichen Platz mit Feldsteinen. Vermutlich handelt es sich um einen Begräbnisort der alten Wenden.

Quelle: Chronik 600J, Abschnitt „Funde sprechen aus alter Zeit"

Die Dorfglocke

Klang aus sorbischer Zeit

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Glockenguss 1743

Im Jahr 1743 wurde die Dorfglocke in Dresden von Johann Gottfried Weinhold umgegossen. Am Sonntag nach Ostern wurde sie zum ersten Mal geläutet – ein Datum, das die Verbindung von sorbischer Ostertradition und christlicher Dorfkultur verdeutlicht.