Sorbische Traditionen, die in Geierswalde bis heute lebendig sind – von den Vereinen gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben
Traditionen im Alltag von Geierswalde
Viele unserer alten Traditionen und Bräuche haben sich bis in die heutige Zeit erhalten und werden von den Vereinen des Dorfes gepflegt – insbesondere von den „Freunden des Maibaumes" und dem „Dorfclub".
Das sorbische Erbe Geierswaldes ist hier kein Museum – es wird gelebt, gefeiert und weitergegeben. Die traditionellen, historischen Bräuche haben wir auf einer eigenen Seite gesammelt.
Die Pflege der sorbischen Bräuche in Geierswalde wird getragen von vier Gruppen:
25. Januar – Die Vögel bedanken sich
Am 25. Januar feiern die Kinder die sorbische Vogelhochzeit. Am Vorabend stellen sie Teller auf das Fensterbrett – am nächsten Morgen finden sie Gebäck in Form von Vögeln und Nestern. Die Vögel „bedanken" sich so bei den Kindern für das Füttern im Winter.
In Geierswalde selbst gibt es keinen Kindergarten mehr – die Kinder feiern die Vogelhochzeit im Kindergarten Tätzschwitz, dem Nachbarort. Verkleidet als Brautpaar und Hochzeitsgäste ziehen sie singend durch den Kindergarten und führen ein kleines Kulturprogramm auf.
Die Vogelhochzeit ist ein Bescherbrauch für Kinder und seit den 1960er Jahren fester Programmpunkt in sorbischen Kindergärten und Grundschulen.
Osterzeit – Die farbenfrohste Tradition
Sorbische Ostereier sind weltberühmt – und in Geierswalde gibt es noch Sorbinnen, die diese filigrane Kunst des Wachsbatikens und Ätzens mit Hingabe pflegen. Von Generation zu Generation geben Familien die Geheimnisse der kunstvollen Ornamente weiter.
Jedes Muster erzählt Geschichten von Fruchtbarkeit und Schutz. Die Lausitz zur Osterzeit ist ein lebendiges Zentrum jahrhundertealten Brauchtums.
Eine Woche nach dem Osterfest feiert Geierswalde „Junge Ostern" – mit dem traditionellen Eier-Wallyn (Eierrollen). Die Eier werden eine Böschung hinuntergerollt – wessen Ei unbeschädigt unten ankommt, hat Glück und darf es essen.
Dazu gehört auch das Osterbaumstellen: Ein geschmückter Baum wird aufgestellt, ähnlich dem Maibaum, aber mit Ostermotiven. Die Freunde des Maibaumes organisieren diesen Brauch.
Fasching – Den Winter vertreiben
Jedes Jahr zieht das Geierswalder Zampern durch das Dorf: In bunten Kostümen und mit viel Getöse gehen die Geierswalder von Haus zu Haus. Dieser sorbische Heischebrauch dient dazu, den Winter zu vertreiben und böse Geister zu verscheuchen.
An jedem Hof wird für das Vereinsleben gesammelt. Begleitet von einer Kapelle und viel guter Laune endet der Umzug mit einem gemeinsamen Tanzabend, der die Faschingszeit krönt.
Das Zampern ist der Faschingsbrauch in Geierswalde und wird vom Dorfclub organisiert. Es ist jedes Jahr ein Highlight des Dorflebens.
30. April – Walpurgisnacht in Geierswalde
In der Nacht zum 1. Mai lodert in Geierswalde weithin sichtbar das Hexenfeuer. Organisiert von der Freiwilligen Feuerwehr Geierswalde, bewacht vom Jugendclub Geierswalde – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird. Am Feuer kommt das ganze Dorf zusammen, um bei Geselligkeit den Frühling zu begrüßen.
Der Brauch dient dazu, die bösen Mächte und den Winter endgültig zu vertreiben – und symbolisch den Schutz für Haus und Hof im neuen Jahr zu beschwören.
30. April / 1. Mai – Dorfgemeinschaft am Werk
Am Vorabend des 1. Mai holt die Dorfgemeinschaft den Maibaum ins Dorf. Der Baum wird von der Jagdgenossenschaft ausgesucht und vorbereitet. Die „Freunde des Maibaumes" organisieren das Aufstellen. Bewacht wird der Maibaum vom Jugendclub Geierswalde.
Geierswalde hat Sandboden, was die Aufstellung schwierig macht: Die Grube fällt zusammen, der Halt des Maibaumes ist max. 3 Jahre garantiert. Deshalb wird der Baum mittlerweile an einem im Boden verankerten Stahlständer aufgestellt – eine stabile Lösung für den sandigen Untergrund. Eine Besonderheit, die den Geierswalder Maibaum von anderen unterscheidet.
Den krönenden Abschluss der Maibaumtradition bildet das Maibaumwerfen beim Gartenfest im Gemeindegarten am Bürgerhaus. Die Gäste treten in einen fröhlichen Wettstreit um den Baum an – wer sich am Ende durchsetzt, darf das Frühlingssymbol mit nach Hause nehmen. Ein Fest voller Musik, Tanz und Lausitzer Lebensfreude.
3. Advent – Winterliche Tradition seit 2004
Im Jahr 2004 kam eine neue Tradition hinzu: Das Stellen eines Weihnachtsbaumes und einer Märchenhütte zum 3. Advent in der Ortsmitte, neben dem Feuerwehrgerätehaus. Beides bleibt bis zum 6. Januar des Folgejahres stehen.
Diese Tradition wurde vom Verein „Freunde des Maibaumes" ins Leben gerufen und ist inzwischen ein fester Bestandteil des Geierswalder Winterlebens.
Gelebtes Brauchtum in Geierswalde